Meine Gruppenreise Erfahrungen: Vor- und Nachteile

Gruppenreisen haben ein schlechtes Image: Überfüllte Reisebusse, Massentourismus und Kaffeefahrten für Senior:innen sind nur einige der Dinge, die damit assoziiert werden. Aber so muss eine Gruppenreise nicht sein. Welche Erfahrungen ich in den letzten Jahren mit verschiedenen Gruppenreisen gemacht habe und wieso mir diese Reiseart beim Verwirklichen einiger Reiseträume geholfen hat, liest du hier.

Reisebus für Schotterpisten in Namibia

Südafrika: Meine 1. Fernreise

In den letzten Jahren habe ich viele verschiedene Reisearten ausprobiert: Städtetrips, Pauschalreisen, Roadtrips, Solo-Reisen, Backpacking und 2022 kamen die Gruppenreisen dazu. Mein Reiseziel in diesem Jahr: Südafrika. Das stand schon sehr lange auf meiner Reisewunschliste und sollte meine erste Fernreise werden.

Wieso ich mich bei Südafrika für diese Reiseform entschied, hatte mehrere Gründe. Einer der wichtigsten war der Transport. Für eine Route, wie ich sie im Kopf hatte, hätte ich sonst einen Mietwagen gebraucht. Da ich nicht gerne Auto fahre, schon gar nicht alleine, war ein Roadtrip auf eigene Faust hier keine Option. Bei meiner ersten Fernreise fühlte ich mich innerhalb einer Gruppe auch sicherer. Schließlich war das Land komplett neu für mich und ich musste mich neben den vielen neuen Eindrücken nicht so sehr damit auseinandersetzten, wie ich mit allem zurechtkomme. Auch bei der Vorbereitung war es einfacher für mich, da ich mich nicht um Routenplanung, Unterkünfte und Transfer kümmern musste. Für die erste Fernreise reichten mir Themen wie Langstreckenflug, Visum, Reiseimpfungen und Packliste, mit denen ich mich neben dem Job beschäftigen musste.

Aussicht vom Tafelberg auf den Lionshead. Davor fährt eine Seilbahngondel den Berg hinauf.

Drei Wochen war ich insgesamt in Südafrika unterwegs. Mehr über die Route liest du in meinem Artikel Südafrika Highlights. Die Reisegruppe war klein (16 Personen) und wir fuhren mit einem Guide in einem kleinen Bus quer durchs Land. Mein Zimmer teilte ich mit einer Freundin und damaligen Kollegin, die ich spontan gefragt hatte, ob sie mitkommen will. Aber auch im Rest der Gruppe fanden wir ein paar nette Leute. Gebucht hatte ich über SKR*, einem Reiseveranstalter aus Köln, dort konnte ich sogar vegane Verpflegung für mich anmelden.

Mit der Südafrika-Reise konnte ich mir einen lange gehegten Traum erfüllen. Ja, das hatte seinen Preis und ja, ich würde nicht alle Aktivitäten nochmal genauso machen, aber durch diese Art des Reisens haben sich mir mehr Möglichkeiten für unterschiedliche Reiseziele eröffnet, an die ich mich alleine aktuell nicht herantrauen würde.

Vietnam: Schnelle Reiseplanung zwischen zwei Jobs

Bestärkt durch diese erste Erfahrung buchte ich gleich im Jahr darauf meine nächste Gruppenreise. Diesmal ging es für zwei Wochen nach Vietnam. Aufgrund eines Jobwechsels hatte ich noch zwei Wochen frei, in denen ich dann relativ kurzfristig noch verreisen wollte. Zeit für Planung war nicht mehr viel, außerdem war ich kurz vorher auf einem selbst geplanten Solo-Trip in Mallorca. Da ich damit schon genug zu tun hatte, schaute ich wieder bei den anstehenden Reisen über SKR* in meinem freien Zeitraum und wurde fündig. So ging es dann das erste Mal nach Asien.

Motorroller und Rikschas fahren über eine Baumgesäumte Straße in der Altstadt von Hanoi

In Hanoi erwarteten mich schwüle Hitze und ein Gewusel aus Mopeds auf den Straßen. Trotz Nachtflug und Zeitumstellung warf unser Guide die kleine Gruppe direkt mitten hinein in das Gewühl und wir liefen durch kleine Gassen und vorbei an Straßenmärkten. So blieb uns gar nichts anderes übrig, als uns zu trauen, und so wurde die Reise für mich trotz der großen Sprachbarriere und der unterschiedlichen kulturellen Eindrücke zum Highlight.

Hier profitierte ich auch sehr von einem weiteren Vorteil der Gruppenreise. Durch unseren Guide bekamen wir jede Menge zusätzliche Infos zum Land, den Einwohner:innen, der Kultur, Religion und vielem mehr. Denn in der Kürze der Vorbereitungszeit hatte ich mir für Vietnam nicht mal einen Reiseführer besorgt.

Das Khai Din Mauseleum.

Innerhalb der Reisegruppe war ich diesmal mit Abstand die Jüngste (dass die Reise als für Senioren geeignet empfohlen wurde, hatte ich vor der Buchung nicht gesehen), trotzdem verstand ich mich gut mit den Mitreisenden. Außerdem waren wir insgesamt nur 5 Gäste, eine angenehm kleine Gruppe.

La Gomera: Wanderreise in der Gruppe

Ende des Jahres landete ich bei der Suche nach einem Reiseziel nochmal bei SKR. Diesmal bei einer Wanderreise auf La Gomera*. Hier verreiste ich wieder mit einer Freundin, aber wir waren mit dem Buchen über die Feiertage relativ spät dran und so war die Gruppenreise eine gute Option, bei der wir auch mit einem festen Preis planen konnten.

Wanderweg in den Bergen von La Gomera

Anders als bei den anderen Reisen, war dies keine Rundreise. Für die gesamte Woche hatten wir eine feste Unterkunft und außer den geplanten Wanderungen die Zeit zur freien Verfügung. Das war für mich eine willkommene Abwechslung, da wir so unser eigenes Ding machen konnten. Tatsächlich ist aber die Wanderreise in der Gruppe die Form, die ich so nicht wiederholen würde. Das liegt weder am Reiseziel noch an der Gruppe, sondern an der Aktivität. Ich laufe beim Wandern gerne mein eigenes Tempo, das eher langsam ist, und bleibe oft stehen für Fotos oder um mir Pflanzen anzuschauen. Außerdem laufe ich am liebsten vorne, da ich dann die Strecke ohne Menschen im Bild fotografieren kann. Das alles ist in der Gruppe meist nicht möglich.

Namibia: Roadtrip mit langen Fahrtagen

Auf meiner ersten Fernreise nach Südafrika habe ich meine Liebe für Tierbeobachtung entdeckt. Ich wollte unbedingt noch mehr Safari-Erlebnisse sammeln. Darum kletterte Namibia ganz schnell auf meiner Reisewunschliste ganz nach oben. Da es hier praktisch keinen öffentlichen Nahverkehr gibt, hatte ich wieder die Wahl zwischen Roadtrip und geführter Gruppenreise. Gerade bei den langen Fahrstrecken auf oft unebenen Straßen war hier die zweite Option wieder mein Favorit. Fündig wurde ich abermals bei SKR mit einer Route für 2 ½ Wochen*.

Felslandschaft an der Spitzkoppe in Namibia

Die Fahrten verliefen diesmal etwas holpriger als in Südafrika, was den schlechten Straßenverhältnissen geschuldet war, aber die Erlebnisse waren einmalig: Game Drive zum Sonnenuntergang in der Kalahari, in flirrender Hitze über riesige Sanddünen laufen in der Namib und unzählige schöne Momente auf Safari im Etosha Nationalpark. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Durch unseren Guide bekamen wir außerdem wieder authentische Einblicke in das Leben in Namibia.

Laos: einzigartige Einblicke

In Laos war ich diesmal mit einem anderen Veranstalter unterwegs: mit World Insight. Ich wusste, ich würde länger durch Südostasien reisen, für die erste Station Thailand habe ich auch alles selbst geplant. Da das als Einsteigerland für Backpacker gilt, empfand ich das als gut machbar, bei weiteren Stationen wollte ich erstmal auf der sicheren Seite sein. Für Laos suchte ich nach einer möglichst ausführlichen Reiseroute, schließlich hatte ich diesmal keinen Zeitdruck. Etwas mehr als drei Wochen war ich in Laos unterwegs, die meiste Zeit davon mit der Reisegruppe.

Reisebus unterwegs in Laos

Neben der Zeitersparnis für die Reiseplanung hatte die Gruppenreise hier vor allem logistische Vorteile. In Laos ist das Busnetz bei weitem nicht so gut ausgebaut wie in Thailand, die Straßen sind im Norden teilweise noch sehr schlecht. Obwohl wir die ausführliche Route gewählt hatten, haben wir unglaublich viel in kurzer Zeit gesehen. Auf eigene Faust würde man deutlich länger brauchen.

Ein buddhistischer Tempel mit Figuren und Opfergaben in Laos

Durch unseren Guide haben wir außerdem einzigartige Einblicke bekommen, die wir als Individualtouristen so sicher nicht erlebt hätten. Etwa kleine Segenszeremonien in Tempeln, der Besuch einer kleinen Schule in einem Bergdorf, oder die Produktion von Reisnudeln in einer Hütte am Straßenrand. Ich war außerdem wieder fasziniert von den Dingen, die ich über die Kultur und den Buddhismus lernte. Insgesamt war ich sehr positiv überrascht von Laos.

Kambodscha: ein guter Mix aus Tour und eigenen Aktivitäten

Nach Laos stand noch Kambodscha auf unserem Programm, diesmal mit dem internationalen Veranstalter Intrepid. Im Vorfeld hatte ich viele Reiserouten gesehen, die beide Länder kombinieren. Allerdings alle in recht kurzem Zeitraum. Da wir länger Zeit hatten, waren wir auch in Kambodscha zwei Wochen unterwegs und konnten so nochmal deutlich mehr vom Land sehen als das Highlight Angkor Wat, wobei das alleine schon die Reise wert wäre.

Tuktuks fahren durch ein Tor des Angkor Thom Tempels

Diesmal hatten wir ein etwas anderes Konzept bei der Reise. Es war zwar auch wieder eine kleine Gruppe (12 Personen), aber es gab nur einen Teil festgelegtes Programm, einiges war flexibel. So sind wir z.B. schon einen Tag früher angereist und konnten uns die Hauptstadt so in Ruhe ansehen. In Battambang haben wir nur zu zweit einen veganen Kochkurs gemacht und am Ende auf der Insel Koh Rong haben wir unseren Tag dort mit Entspannen am Strand und Schwimmen im Pool verbracht. Wenn wir Lust hatten, haben wir uns aber auch anderen Leuten aus der Reisegruppe angeschlossen. Hier waren wir übrigens die einzigen Reisenden aus Deutschland, die anderen kamen alle aus Australien, die Tour selbst war auf Englisch.

Gruppenreisen: Die Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile:

  • Kein Planungsstress: einen Großteil der Reiseplanung übernimmt der Veranstalter für dich. Reiseroute, Transport, Unterkunft, Programm. Das erleichtert die Planung gerade bei Fernreisen, oder an Orten mit wenig touristischer Infrastruktur.
  • Man muss nicht selbst fahren: für mich einer der größten Vorteile von Gruppenreisen, wenn es keinen ÖPNV gibt, oder die Straßenverhältnisse schlecht sind.
  • Einblicke und Hintergrundinfos durch Guides: Hier kommt es natürlich auf den Guide an, aber ich habe meist gute Erfahrungen gemacht. Du kannst z.B. auch fragen, wie man sich im Tempel angemessen verhält, oder wie viel Trinkgeld angebracht ist.
  • Austausch mit der Gruppe, wenn gewollt: wenn du nicht alleine reisen möchtest, kannst du meistens in der Gruppe Anschluss finden

Nachteile:

  • Meist hohe Preise: dafür, dass der Veranstalter die Planung übernimmt und je nach Tour (internationale) Flüge, Guide, Unterkünfte und Transfers mit enthalten sind, musst du oft ordentlich in die Tasche greifen.
  • Wenig Flexibilität: Du hast auf einen Programmpunkt keine Lust, bist krank oder das Wetter ist schlecht? Hier hast du meist wenige Entscheidungsmöglichkeiten. Wenn die gesamte Gruppe mit dem Bus irgendwohin möchte oder an dem Tag das Hotel gewechselt wird, kannst du nicht einfach dein eigenes Ding machen.
  • Mögliche Konflikte in der Gruppe: Klar kannst du hier Anschluss finden, aber je mehr unterschiedliche Leute, desto höher ist das Potential für Konflikte. Riesige Streits habe ich noch nicht erlebt, aber ein paar Unstimmigkeiten gibt es fast immer.

Mein Fazit zu Gruppenreisen

Da ich ja schon mehrmals mit Gruppenreisen unterwegs war, wirst du schon vermuten, dass diese Reiseform für mich wieder infrage kommt. Für mich überwiegen die Vorteile der Planung, der Sicherheit in der Gruppe und der Transportfrage. In Zukunft werde ich mich aufgrund der Altersstruktur bei manchen Veranstaltern aber auch mal nach Gruppenreisen für junge Leute umsehen.

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