Tongariro-Nationalpark – einfache Wanderungen als Alternative zum Alpine Crossing

Bei meiner Routenplanung für Neuseeland war schnell klar: ich muss unbedingt in den Tongariro-Nationalpark. Der lockt mit schroffen Vulkanlandschaften, tollen Wanderungen und „Herr der Ringe“-Drehorten. Was den Tongariro Nationalpark so einzigartig macht und auf welchen Wanderrouten du auch als Wanderanfänger:in tolle Ausblicke erlebst, liest du hier.

ich stehe neben einem Kiwi Straßenschild im Tongariro Nationalpark in Neuseeland

Der Tongariro-Nationalpark

Der Tongariro-Nationalpark liegt ziemlich im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel. Er ist einer der ältesten Nationalparks der Welt (gegründet 1887) und gehört seit 1991 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Im Park befinden sich drei noch aktive Vulkane, der Tongariro, der Ngauruhoe und der Ruapehu. Alle drei sind Teil der Taupo Volcanic Zone, die sich über den Lake Taupo und die Geothermal Areas in Rotorua bis zur Bay of Plenty an der Küste und zur White Island erstreckt.

Felsige Landschaft und Vulkankegel im Tongariro Nationalpark

Verwaltet wird der Tongariro-Nationalpark vom Department of Conservation (DOC), das sich etwa um Wanderwege und Hütten kümmert. Im zentral gelegenen Whakapapa Village findest du ein Visitor Center, mit einer kleinen Ausstellung zum Vulkanismus und zu Flora und Fauna im Park. In den niedriger gelegenen Regionen, vor allem im Süden, wanderst du noch durch erhaltenen Regenwald. Je höher du kletterst, desto karger wird die Vegetation und ist rund um den Ngauruhoe mit der typischen Kegelform dann vulkanisch. Als höchster Gipfel erreicht der Ruapehu eine Höhe von 2.797m.

Der schneebedeckte Gipfel des Mount Ruapehu.

Das berühmte Tongariro Alpine Crossing und wieso ich mich Last-Minute entschied es nicht zu machen

Die wohl berühmteste Wanderung im Nationalpark ist das Tongariro Alpine Crossing. Bei der Tageswanderung läufst du etwa 20km und 1.200hm durch die atemberaubende Vulkanlandschaft. Die Route ist ein One-Way-Track, ihr höchster Punkt ist am Red Crater auf ca. 1870m Höhe.

Auch ich hatte ursprünglich geplant diese Wanderung zu machen, habe im Vorfeld zu Hause dafür trainiert und den Bus-Shuttle zum Start und Ende gebucht. Letztendlich habe ich mich doch kurzfristig dagegen entschieden zu starten. Zu groß waren meine Bedenken wegen der Anstrengung; ich hatte auch eine Woche, nachdem ich in Neuseeland angekommen war, immer noch mit Jetlag und Schlafmangel zu kämpfen und ich fühlte mich für Wetterbedingungen von niedrigen einstelligen Temperaturen in den höheren Lagen nicht gut genug ausgerüstet. Wie bei jeder Wanderung gilt: Better safe than sorry. Für das Tongariro Alpine Crossing gibt es keine kürzere Variante und keine Alternative, die man wählen kann, falls einen unterwegs doch die Energie verlässt. Lieber komme ich dann irgendwann nochmal wieder und dann mit mehr alpiner Wandererfahrung.

Einfachere Wanderrouten im Tongariro-Nationalpark

Aufgrund der Beliebtheit des Alpine Crossings sind andere Wanderwege im Tongariro-Nationalpark weniger bekannt und deutlich weniger frequentiert, aber mindestens genauso schön. Du kannst die Wege auch als Alternative nutzen, falls das Crossing Aufgrund von schlechten Wetterbedingungen gesperrt ist. Tatsächlich fand ich die Kombination aus mehreren einfachen und kürzeren Routen, die ich dann stattdessen gelaufen bin, sogar etwas abwechslungsreicher. Hier war von jeder Menge Wasserfällen über Regenwald bis zu vulkanischem Gebiet praktisch alles dabei, was der Tongariro-Nationalpark zu bieten hat.

Mangawhero Falls Walk

Dieser kurze Walk befindet sich an der Ohakune Mountain Road, die die Stadt mit dem Skigebiet verbindet. Im Sommer findest du entlang der Straße aber kleine Parkbuchten, von denen schöne Wanderwege aus starten. Der zu den Mangawhero Falls ist mit nur 300m sehr kurz, der Wasserfall und das Panorama sind aber umso beeindruckender. Im Hintergrund siehst du den schneebedeckten Gipfel des Mount Ruapehu aufragen. „Herr der Ringe“-Fans könnte der Wasserfall bekannt vorkommen, denn hier wurden Szenen für Gollums Pool in Ithilien gedreht. Wir waren nur für einen kurzen Stopp hier. Wenn du mehr Zeit hast, kannst du aber auch noch eine der anderen Wanderungen machen, z.B. den 4km langen Waitonga Falls Track.

Mangawhero Falls mit Mount Ruapehu im Hintergrund.

Tawhai Falls Walk

Wenn du nur wenig Zeit hast, hast du mit den Tawhai Falls eine gute Alternative an der 48. Der kurze Walk dauert nur etwa 15min. Über einen einfachen Weg und ein paar Treppen geht es hinunter zum Fluss, von wo aus du den Wasserfall sehen kannst. Zwar wird die Location bei Google Maps auch als Gollum’s Pool bezeichnet, aber der eigentliche Drehort sind die Mangawhero Falls.

Zu den Tawhai Falls führt ein kurzer, einfacher Wanderweg.

Whakapapanui Walk

Die meisten Bilder vom Tongariro-Nationalpark zeigen raue Vulkanlandschaften. Das es hier auch alte Regenwälder gibt, hat mich vor Ort sehr überrascht. Am besten erkunden kannst du die auf dem Whakapapanui Walk. Der führt One-Way über etwa 3,5km oberhalb des gleichnamigen Flusses von einer Haltebucht an der 48 bis zum Whakapapa Village. Ich bin nicht den ganzen Weg gelaufen, sondern nach etwa einer dreiviertel Stunde wieder umgekehrt. Das hat aber gereicht, um einen guten Eindruck von den Regenwäldern zu bekommen. Die Route kommt ohne große Steigungen aus, hin und wieder ist der Weg mit Holzplanken ausgelegt, einmal wird eine Art Moor durchquert. Ansonsten dominiert die Farbe Grün: verschiedene Farne, moosbedeckter Boden und über und über mit Flechten behangene Bäume.

Wanderung über Holzbohlenwege im Tongariro Nationalpark.Grüner Regenwald mit Farnen und Moosen im Tongariro Nationalpark.

Taranaki Falls Loop

Falls du nur Zeit für eine kurze Wanderung im Tongariro-Nationalpark hast, empfehle ich die Tour zu den Taranaki Falls. Die Rundwanderung ist etwa 6km lang, du überwindest ca. 120 Höhenmeter und kannst die Strecke gut in 2-3 Stunden schaffen. Parken kannst du gut im Whakapapa Village, unweit des Trailheads.

Ich bin auf dem Lower Falls Track gestartet. Der Weg führt hier zuerst durch halbhohes Buschland, immer mit Weitblick auf den Mount Ngauruhoe. Es geht ein paarmal Treppen hinauf und hinunter durch ein paar bewaldete Bachtäler, bevor du den Wairere Stream erreichst. Die großen Steine am Flussbett habe ich mittags erstmal für ein gemütliches Picknick genutzt. Du folgst dem Fluss immer leicht bergauf über einige wurzelige Passagen und ein paar Treppen, bis du nach etwa einem Kilometer den Wald hinter dir lässt. Hier überquerst du jetzt eine Brücke zu einem ersten schönen Wasserfall. Zu den Taranaki-Fällen geht es dann nochmal weiter über Treppen den Hang hinauf, bis du den weißen Wasserstrahl erkennst, der sich zwischen fast schwarzen Klippen in ein kleines Becken ergießt. Der Wanderweg überquert die Klippen ein kleines Stück oberhalb der Fälle. Von dort hast du nochmal einen weiten Blick ins Tal und auf den Kegel des Mount Ngauruhoe. Als ob man am Rande von Mordor stünde. Zurück geht es dann über den Upper Falls Walk, entlang von mit Gräsern bewachsenen Hügeln und mit Blick auf den schneebedeckten Mount Ruapehu zurück zum Whakapapa Village.

Die Taranaik Falls ergießen sich in einem Strahl über Basaltfelsen.Ich an der Grenze zu Mordor mit Blick auf den Mount Ngauruhoe.

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