Vegane Reiseblogger im Interview: Movin’n’Groovin

Im heutigen Interview steht mir Mandy von Movin’n’Groovin Rede und Antwort. Auf ihrem Blog schreibt sie über ihre Reisen, die oft mit ihrer Vorliebe für Musik zu tun hat. Bald wird sie die Welt mit ihrem Van erkunden und ich freue mich schon über ihre Erlebnisse auf ihrem Blog zu lesen. Heute geht es aber erstmal um die vergangenen Reisen, unter Anderem ein Reiseziel in dem es überraschenderweise sehr viele Optionen für vegan Reisende gibt.

1. Seit wann lebst du vegan und warum?
Ich lebe seit nunmehr fast zwei Jahren vegan und weiß gar nicht, wieso ich nicht schon viel früher darauf gekommen bin. Vorher habe ich schon mehrere Jahre vegetarisch gegessen und nie wirklich über den Konsum von Milchprodukten nachgedacht. Als ich mich dann etwas näher mit dem Thema beschäftigte, fiel mir schnell auf wie absurd das eigentlich ist und vor allem, wie unnötig.
Meine Motivation, mich hauptsächlich vegan zu ernähren, beruht inzwischen vor allem auf den ethischen Gesichtspunkten – ich möchte kein Tier dazu verwenden, um mich zu ernähren. Warum? Weil es eben auch ganz ohne Tierleid geht und obendrein sehr lecker und abwechslungsreich ist! Ganz konsequent bin ich dabei zuhause, auf Reisen mache ich manchmal eine Ausnahme bei Milchprodukten. Fleisch/Fisch kommt mir aber schon seit Jahren nicht mehr auf den Teller.

2. Wie schaffst du es auf Reisen dich vegan zu ernähren? Was sind deine Tipps?
Ich schaffe es leider nicht immer und überall, mich vegan zu ernähren. Ich bin letztlich nicht super strikt und esse auch mal eine Pizza mit Kuhmilch-Käse drauf. Hilfreich bei der Suche nach veganem Essen auf Reisen ist vor allem die App HappyCow, die ich seit einiger Zeit (auch zuhause in Berlin) regelmäßig verwende. Dort kann ich gezielt nach veganen oder vegetarischen Restaurants / Cafés / Supermärkten suchen. Aber auch Tipps von Freunden und anderen Reisenden sind immer sehr hilfreich. Oder ich frage im Restaurant bei der Bestellung einfach, ob bei den Gerichten z.B. der Käse, die Sahnesoße oder das Ei weggelassen werden kann. Das klappt meistens ganz gut, aber eben nicht immer.
Als ich kürzlich in Rio de Janeiro mit einer Gruppe in einem Restaurant zum traditionellen Feijoada Essen war (ein Eintopf aus Bohnen, Schweine- oder Rindfleisch und zahlreichen weiteren Zutaten), hatte ich ein Problem. Auf meine Frage hin, ob es auch eine vegetarische / vegane Version des Eintopfes gibt, kam ein total überzeugendes „Ja“! Beim Essen habe ich dann aber vermutet, dass bei mir vermutlich einfach nur die Fleischstücke rausgefischt wurden… nun ja, das passiert halt auch mal.

3. In welchem Land hast du bisher die Beste Erfahrung gemacht im Bezug auf vegane Ernährung?
Das glaubt mir kein Mensch, aber in der Tat: in der Mongolei! Eigentlich ein Land der Fleisch-Esser, aber auf unserer Reise ging das ganze auch in vegan. Für unsere 7-tägige Jeeptour durch das Landesinnere der Mongolei hatten wir dem Touranbieter vorab Bescheid gesagt, dass wir alle kein Fleisch essen. Unterwegs wurden wir oft von unserem Fahrer & Tourguide direkt aus dem Auto-Kofferraum bekocht. Dann waren die Mahlzeiten meistens „accidentally vegan“ – da wir weder Eier, Butter oder Milch dabei hatten, sondern nur frisches Gemüse u.a.  haltbare Lebensmittel wie Reis oder Pasta. So gab es täglich frische Gemüsesuppe, Pasta mit Gemüse, traditionelle Teigtaschen gefüllt mit Kartoffeln und Gemüse (anstatt mit Fleisch).
In den Restaurants oder zu Besuch bei den Nomaden zuhause wurde es schon komplizierter, vor allem Milch wird überall und für alles verwendet. Da darf man in manchen Situationen auch nicht ablehnen, weil das sonst unhöflich dem Gastgeber gegenüber wäre. Aber Massentierhaltung in dunklen Ställen ist in der Mongolei ja eh kein Thema, deshalb konnte ich damit leben.
Und zu meiner größten Überraschung kam noch der Aufenthalt am Ende der Rundreise in der Hauptstadt Ulan-Bator hinzu: ich hatte vermutet, dass dort das lokale Essen hauptsächlich aus Fleischgerichten bestehen wird. Was für ein Irrtum! Ich habe noch nirgendwo so viele rein vegane Restaurants an einem Ort gesehen! Ich war total baff und happy, dass es so viel Auswahl gab – und das Essen war auch immer sehr frisch und lecker! Wer hätte das gedacht?

veganes Essen in Ulan Bator
Veganes Essen in Ulan-Bator, Mongolei

4. Gab es auch schlechte Erfahrungen? Wenn ja welche?
Florida. Erst kürzlich bin ich für 2 Wochen im Van durch Florida gereist und hatte mir gar keine großen Gedanken über die vegane Verpflegung unterwegs gemacht. So dachte ich doch, in den USA sei das Thema Veganismus schon weit verbreitet und sicher wird es problemlos möglich sein, auch in Florida vegan essen zu können. Weit gefehlt! In den Supermärkten gibt es zum Glück genug Auswahl für die Selbstversorgung. Aber Restaurants habe ich nur sehr wenige gefunden, Fast-Food und touristische Sea-Food Restaurants waren in der Überzahl.

vegane Falafel in Florida
Eine teure, aber sehr leckere Falafel (16$) in Florida Beach

5. Welche Rolle spielt die vegane Ernährung bei der Wahl deines Reiseziels?
Ich achte nicht wirklich darauf, ob man in dem Reiseland auch vegan essen kann oder nicht. Wie gesagt, ich bin da nicht so streng und esse auch mal Käse oder Ei, wenn es nicht anders geht. Meine Reiselust will ich nur ungern durch die Einschränkung beim kulinarischen Angebot beeinflussen lassen.

6. Was sind deine Lieblingsziele für vegan Reisende?
Berlin ist ja auch ein schönes Reiseziel – das reinste Paradies für Veganer! :) Etwas weiter weg: Israel. Die israelische Küche ist generell sehr gesund und vielfältig. Ich habe mich dort problemlos vegan und vegetarisch ernähren können. Hummus ist mein bester Freund! Und im Norden Israels gibt es sogar ein Dorf (namens Amirim), in dem die Bewohner alle vegetarisch leben, na immerhin!

Hummus in Israel
Einer der leckersten Hummus-Orte in Israel: „Hummus Said“ in Akkon, im Norden Israels!

Alle Fotos von Mandy von Movin’n’Groovin.

One Comment on “Vegane Reiseblogger im Interview: Movin’n’Groovin

  1. Die empfohlene App werde ich mir gleich mal anschauen. Ich esse vegetarisch, versuche aber die tierischen Produkte nach und nach zu reduzieren. Die Einstellung hier finde ich sehr ausgeglichen. Und die Hinweise bzgl. der Mongolei sind großartig!

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