Vegane Reiseblogger im Interview – „V“eltenbummler

Heute geht es in der Reihe der Interviews weiter mit Linda von „V“eltenbummler. Seit 2012 bloggt sie dort über ihre Reisen. In ihren eigenen Beiträgen und in vielen Gastbeiträgen findet man viele Tipps für Reiseziele rund um den Globus. Bei meinen Recherchen lande ich immer wieder bei ihr und konnte so einige tolle vegane Restaurants entdecken.

Linda in Paris

Interview Veltenbummler 2
1. Seit wann lebst du vegan und warum?
Der Stichtag war der 15.08.2011. Aber das kam natürlich nicht von heute auf morgen, sondern hat sich bei mir jahrelang in diese Richtung entwickelt. Also ich war schon immer sehr tierlieb, habe aber auch immer sehr gerne Fleisch gegessen. Heute weiß ich, dass das nicht wirklich zusammenpasst. Aber als Kind oder Teenager war mir das nicht so klar. 1995 habe ich den Film „Ein Schweinchen namens Babe“ im Kino gesehen. In diesem Zusammenhang habe ich gelesen, wie leicht Schweine zu erziehen sind, weil sie schlauer als Hunde sind. Sie sind sogar ungefähr so intelligent wie ein dreijähriges Kind. Ich wollte deshalb kein Schweinefleisch mehr essen. Zur gleichen Zeit bekamen wir im Erdkunde-Unterricht einen Beitrag zum Thema Massentierhaltung gezeigt. Das hat mich so schockiert, dass ich insgesamt weniger Fleisch essen wollte.
Ab 1998 habe ich dann gar kein Fleisch und keine Wurst mehr gegessen, aber immer noch ab und zu Fisch, vor allem zur Grillsaison. Damit habe ich ein paar Jahre später dann auch aufgehört, nachdem ich erfahren habe, dass durch die industrielle Fischerei schon einige Fischarten vom Aussterben bedroht sind. Außerdem zerstören die großen Schleppnetze den Meeresboden und somit den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Und dann wäre da noch die Sache mit dem unerwünschten Beifang und dass Delphine und Vögel sich in den Netzen verheddern und qualvoll ertrinken.
Das mit dem Veganismus kam dann auch nicht über Nacht, sondern man liest etwas hier, man hört etwas dort und dann kauft man sich die Bücher „Tiere essen“ und „Anständig essen“ und recherchiert zusätzlich im Internet. Ich war so geschockt, als ich erfahren habe, was mit den vielen männlichen Küken in der Eierindustrie passiert, weil man sie nicht gebrauchen kann. Und ich war wütend auf mich selbst, weil mir nicht klar gewesen ist, dass die Kuh ein Säugetier ist wie jedes andere auch und nur dann Milch gibt, wenn sie zuvor ein Baby bekommen hat. Es stand für mich nach dieser Erkenntnis direkt fest, dass ich Veganerin werden wollte. Schließlich war ich Vegetarierin, weil für mich keine Tiere sterben sollten. Ich hatte leider nichtrealisiert, dassfür mich weiterhin viele Küken und Kälber sterben mussten.
Die Entscheidung war also gefallen. Ich wusste nur nicht, ob ich das auch könnte. Denn ich habe schon immer gerne gegessen, vor allem süße Sachen. Aber aus dem Buch „Anständig essen“ habe ich erfahren, dass es auch vegane Schokolade gibt wie z.B. die meisten Zartbitter-Schokis. Daraufhin habe ich weiter recherchiert und bin so auch auf den Blog Claudigoesvegan.de gestoßen. Da bekommen vor allem Neu-Veganer viele tolle Tipps und mir war Claudi von Anfang an sympathisch, vor allem war sie sehr offen, freundlich und undogmatisch. Ich habe dann erstmal eine vegane Probewoche gemacht, in der ich vor allem viel gebacken habe. Das waren am Anfang noch keine Kunstwerke, aber ich wusste, ich kann so überleben.
Interview Veltenbummler 8
Interview Veltenbummler 7
2. Wie schaffst du es auf Reisen dich vegan zu ernähren? Was sind deine Tipps?
Verreisen als Veganer klingt komplizierter als es ist! Mit der richtigen Vorbereitung ist das nämlich absolut kein Problem. Ich habe schon oft gehört, in Land X wäre es doch bestimmt total schwierig, vegan zu essen, doch dann muss ich immer schmunzeln. Schließlich leben wir in Deutschland, dem Land von Schweinebraten, Bratwurst & Co. und trotzdem schaffen wir Veganer es, nicht zu verhungern. Ganz im Gegenteil, man entdeckt ständig neue Örtlichkeiten, wo man veganes Essen bekommen kann.
Ich empfehle, dass man vorab zumindest einmal recherchiert, was es an landestypischen Gerichten so gibt. Das ein oder andere ist evtl. sogar vegan? Ich denke da z.B. an italienische Nudeln, Gemüse-Antipasti oder im nahen Osten Falafel und Hummus. Darüber hinaus kann man dann nach vegetarischen oder veganen Restaurants und Cafés im World Wide Web suchen, z.B. über HappyCow. Sogar vegetarische und vegane Unterkünfte gibt es, eine hilfreiche Seite ist da beispielsweise VeggieHotels.
Interview Veltenbummler 3
3. In welchem Land hast du bisher die beste Erfahrung gemacht im Bezug auf veganeErnährung?
Das kann man so pauschal nicht sagen, das hängt weniger vom Land ab als von der Region. In Großstädten hat man es zum Beispiel um einiges leichter als auf dem Land denke ich. New York ist jedenfalls ganz weit vorne bei meinen positiven Essenserlebnissen.
Interview Veltenbummler 1
4. Gab es auch schlechte Erfahrungen? Wenn ja welche?
In Paris hab ich mir am Anfang schwer getan, aber auch dort gibt es vegetarische und vegane Locations, wo man superlecker essen kann. Und die französischen Supermärkte haben ein wahnsinnig großes veganes Sortiment, z.B. gibt es da sogar eine Maronenmilch und leckere Sojajoghurts in vielen tollen Geschmacksrichtungen.
Interview Veltenbummler 5
5. Welche Rolle spielt die vegane Ernährung bei der Wahl deines Reiseziels?
Eigentlich keine oder zumindest nicht bewusst. Ich denke, dass man mit entsprechender Vorbereitung und einer offenen freundlichen Art nirgends verhungern muss.
Interview Veltenbummler 4
6. Was sind deine Lieblingsziele für vegan Reisende?
Wie oben bereits geschildert, kann ich das so allgemein gar nicht sagen. Aber in den USA und England habe ich bisher am besten vegan geschlemmt, wenn ich mich so zurückerinnere.
Alle Bilder von Linda von „V“eltenbummler.

 

5 Comments on “Vegane Reiseblogger im Interview – „V“eltenbummler

  1. Wir sind selbst keine Veganer und ich war immer skeptisch, was veganes Essen anbelangt. Dann waren wir vor einigen Jahren in Ottawa in ein veganes Restaurant eingeladen. Das Essen war so super lecker, dass wir noch heute davon sprechen. Leider gibt’s das Restaurant inzwischen nicht mehr, aber wenn es nun irgendwo möglich ist, gehen wir gerne mal vegan essen.

  2. so geht es vielen, früher dachte ich auch ich könnte nie auf Käse verzichten, aber auch mit dem was ich Koche konnte ich bisher noch fast jeden überzeugen

  3. Sehr spannend! Ich ernähre mich zwar (noch) nicht vegan, beschäftige mich aber immer häufiger damit. Jedes Mal wenn ich im Ausland bin, merke ich, dass es dort noch viel schwieriger ist, sich vegan zu ernähren, als zu Hause. Aber wahrscheinlich muss man einfach nur WOLLEN.
    Liebe Grüße,
    Kathi

  4. es ist schon etwas komplizierter, da man ja nicht einfach in das nächstbeste Restaurant gehen kann, mit ein bisschen Vorbereitung klappt es aber sehr gut 🙂

  5. Hallo,
    im Zweifelsfall würde ich mich für eine Unterkunft mit Kochmöglichkeit entscheiden – wenn man „draußen“ wirklich nichts veganes bekommt, kann man wenigstens noch selber kochen. Wie Linda es schon anspricht, sollte man zumindest in größeren Städten aber immer irgendetwas essbares finden.
    LG
    Natascha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.